Fragen zu Betreuung und Vorsorge –
Unser Betreuungsverein beantwortet sie!

1. Wer braucht einen rechtlichen Betreuer?

2. Können im Ernstfall nicht meine Angehörigen für mich entscheiden?

3. Wer wird Betreuer?

4. Was tut der Betreuer?

5. Darf der Betreuer alles allein entscheiden?

6. Wie wird der Betreuer vom Gericht kontrolliert?

7. Wer unterstützt Angehörige und andere ehrenamtliche Betreuer?

8. Kann auch ich ehrenamtlicher Betreuer werden?

9. Wie kann ich selbst für Alter, Krankheit und Unfall vorsorgen?

10. Wer ist Ansprechpartner für Fragen zu Vollmacht und Vorsorge?

 

 

1. Wer braucht einen rechtlichen Betreuer?

Wenn ein erwachsener Mensch aus gesundheitlichen Gründen in wichtigen Dingen seines Lebens nicht mehr selbst entscheiden kann, erhält er einen vom Amtsgericht (Abt. Betreuungsgericht, ehemals Vormundschaftsgericht) eingesetzten „rechtlichen Betreuer". Hiervon betroffen sind z.B. altersverwirrte Personen und Menschen mit Gehirnschädigungen, schweren psychischen Erkrankungen oder geistiger Behinderung. Da die gesetzliche Vertretung eines behinderten Kindes durch die Eltern mit Eintritt der Volljährigkeit endet, sollten diese bei Gericht rechtzeitig Antrag stellen, dass z.B. ein Elternteil die rechtliche Betreuung übernimmt. Ein rein körperlich behinderter Betroffener kann einen Betreuer nur erhalten, wenn er damit auch einverstanden ist.

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2. Können im Ernstfall nicht meine Angehörigen für mich entscheiden?

Auch Ehepartner oder nahe Angehörige dürfen einander nicht ohne weiteres rechtlich vertreten. Wenn im Ernstfall ein anderer für Sie entscheiden soll, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie haben einer Person Ihres Vertrauens bereits umfassende Vollmacht erteilt („Vorsorgevollmacht") oder das Betreuungsgericht bestellt z.B. ein Familienmitglied zu Ihrem rechtlichen Betreuer. Bei Vorliegen einer funktionstüchtigen Vollmacht hat diese Vorrang vor Einrichtung einer Betreuung.

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3. Wer wird Betreuer?

Nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches soll das Gericht eine vom Betroffenen selbst vorgeschlagene Person zum Betreuer bestellen. Wenn der Betroffene niemanden vorschlägt, sind bei der Auswahl seine verwandtschaftlichen und persönlichen Bindungen zu berücksichtigen. Mehr als zwei Drittel aller Betreuungen werden von Angehörigen oder sonstigen ehrenamtlichen Betreuern geführt. Nur wenn sich keine geeignete ehrenamtliche Betreuungsperson findet, darf ein Berufsbetreuer bestellt werden, z.B. ein Rechtsanwalt, ein selbständiger Berufsbetreuer oder ein Mitarbeiter eines anerkannten Betreuungsvereins.

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4. Was tut der Betreuer?

Der Betreuer darf als gesetzlicher Vertreter des Betroffenen nur in den vom Gericht festgesetzten Aufgabenkreisen handeln, z.B. über die ärztliche Behandlung entscheiden („Gesundheitsfürsorge"), einen Pflegedienst oder Heimplatz organisieren („ambulante Versorgung" bzw. „Heimangelegenheiten"), Sozialhilfe oder Pflegeleistungen beantragen („Behördenangelegenheiten") oder Finanzen und Immobilien des Betreuten verwalten („Vermögenssorge").

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5. Darf der Betreuer alles allein entscheiden?

In vielen Fällen braucht der Betreuer für seine Entscheidungen eine Genehmigung des Betreuungsgerichts, vor allem, wenn Grundrechte des Betreuten betroffen sind. Dazu gehören die Auflösung der Wohnung des Betreuten, Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung, freiheitsentziehende Maßnahmen (z.B. Bettgitter im Heim), Entscheidung über risikoreiche medizinische Behandlungen und die Verweigerung der Zustimmung zu lebensverlängernden Maßnahmen. Weitere Genehmigungsvorschriften gibt es für weitreichende Entscheidungen im Vermögensbereich z.B. Immobiliengeschäfte, Ausschlagung einer Erbschaft, Kreditaufnahme etc.

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6. Wie wird der Betreuer vom Gericht kontrolliert?

Der Betreuer mit Vermögenssorge muss über alle finanziellen Transaktionen einmal jährlich Rechnung legen, d.h. dem Gericht sämtliche Kontoauszüge und Belege vorlegen. Ohne gerichtliche Genehmigung hat er nur auf das Girokonto Zugriff. Für den Betreuten getätigte Geldanlagen müssen mündelsicher (d.h. nicht spekulativ) und vom Gericht genehmigt sein. Nur die allernächsten Angehörigen sind als Betreuer von diesen Vorgaben befreit. Ebenfalls befreit sind Mitarbeiter von Betreuungsvereinen oder Betreuungsbehörden, weil diese von Ihrem Arbeitgeber beaufsichtigt werden. Alle Betreuer müssen in der Regel jährlich einen Bericht und meist auch ein Vermögensverzeichnis bei Gericht einreichen.

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7. Wer unterstützt Angehörige und andere ehrenamtliche Betreuer?

Betreuungsvereine haben die gesetzliche Aufgabe, ehrenamtliche Betreuer zu gewinnen, in ihre Aufgaben einzuführen, fortzubilden und zu beraten. Praktisch heißt das: Betreuungsvereine wie unserer unterstützen Sie bei der Anregung und Übernahme einer Betreuung für Ihren erkrankten Angehörigen. Für Betroffene ohne Angehörige suchen wir engagierte Personen, die ehrenamtlich eine rechtliche Betreuung für einen hilfsbedürftigen Menschen übernehmen wollen. Wir bieten kostenlose Beratung, Erfahrungsaustausch mit anderen Betreuern sowie Schulungen und Veranstaltungen zum Betreuungsrecht an, helfen bei Beantragung von Leistungen für den Betroffenen, bei der Heimplatzsuche oder dem Schriftverkehr mit dem Betreuungsgericht u.v.m.

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8. Kann auch ich ehrenamtlicher Betreuer werden?

Wenn Sie Freude am Umgang mit Menschen haben und bereit sind, für andere Verantwortung zu übernehmen, wenn Sie den Kontakt mit Banken und Behörden nicht scheuen und andere von Ihrer Lebenserfahrung profitieren lassen wollen, bieten wir Ihnen ein anspruchsvolles Ehrenamt. Nach Teilnahme an unserer Qualifizierung zum ehrenamtlichen Betreuer vermittelt Sie unser Betreuungsverein zur Übernahme einer ehrenamtlichen rechtlichen Betreuung an das Amtsgericht oder die Betreuungsbehörde. Wir führen Sie in dieses Amt ein und bleiben auch danach Ihr Ansprechpartner, bieten kostenlose Beratung, Veranstaltungen und Austauschmöglichkeiten mit anderen Betreuern. Im Rahmen Ihres Ehrenamtes sind alle ehrenamtlichen Betreuer haftpflicht- und unfallversichert und haben Anspruch auf eine jährliche gesetzliche Aufwandspauschale von derzeit 399,00 €.

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9. Wie kann ich selbst für Alter, Krankheit und Unfall vorsorgen?

Jeder kann durch Unfall oder gesundheitliche Veränderungen von einem Tag auf den anderen betreuungsbedürftig werden. Mit einer umfassenden (Vorsorge-)Vollmacht können Sie eine nahestehende Vertrauensperson beauftragen im Ernstfall Ihre rechtliche Vertretung zu übernehmen und stellvertretend alle nötigen Entscheidungen zu treffen. Eine Betreuerbestellung würde dadurch vermieden. Alternativ können Sie in einer schriftlichen Betreuungsverfügung dem Gericht bereits jetzt eine Person vorschlagen, die später einmal ihre rechtliche Betreuung übernehmen soll. Auch Wünsche an den künftigen Betreuer zur Ausübung seines Amtes können in einer solchen Verfügung niedergelegt werden. Schließlich können Sie in einer Patientenverfügung für den Fall späterer Entscheidungsunfähigkeit Anordnungen für Ihre medizinische Behandlung treffen, die sowohl für den Arzt als auch Ihren Betreuer oder Bevollmächtigten verbindlich sind.

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10. Wer ist Ansprechpartner für Fragen zu Vollmacht und Vorsorge?

Betreuungsvereine wie unserer informieren Sie über Vorsorgemöglichkeiten durch Vollmacht, Betreuungsverfügung oder Patientenverfügung. Wir bieten Vorträge, Veranstaltungen, Informationsmaterial und Entscheidungshilfen für Ihre persönliche Vorsorge. Wir beraten auch Bevollmächtigte bei Ausübung der Vollmacht. Bei weitergehenden rechtlichen Fragen verweisen wir an Rechtsanwälte oder Notare oder auf die Beglaubigungsmöglichkeiten der örtlichen Betreuungsbehörde.

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Für weitere Fragen stehen wir unter 089/54 41 58-0 gerne zur Verfügung!

 

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